Das Anschreiben

Bild: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance (c) 2008 Personalmanagement Riemann

Das Anschreiben ist zwar Ihr Werbeschreiben. In seiner Wirkung wird es aber überschätzt, denn wichtiger sind Ihr Lebenslauf und das Kompetenzprofil.

Denn die meisten Bewerber orientierten sich zu stark an den Musterformulierungen der Bewerbungsratgeber, die es als Bücher zu Hunderten gibt. Deren Empfehlungen entpuppen sich aber in der Praxis oft als »Windei« (Quelle Handelsblatt, 2007).

Trotzdem muss das Anschreiben sorgfältig erstellt und individuell an das Zielunternehmen angepasst werden! Aus dem Datenspeicher und nur die Anschrift austauschen ist »tödlich«. Halten Sie sich bei der Gestaltung an der Brief-DIN 5008. Eine Anleitung finden Sie in der  Wikipedia, Brief nach DIN 5008. Und bleiben Sie vor allem ehrlich, es zahlt sich aus wie dieser  Artikel aus August 2015 zeigt.

Zeigen Sie besser und sprachlich aktiv, dass Sie verstanden haben was das Unternehmen sucht, beschreiben Sie Ihren Nutzen und Ihre bisherigen Erfolge genau für diese Aufgabe. Und nicht in »Ich-Form« Ihr Ego und ihre Vergangenheit. Letztere liest man in Ihrem innovativen Lebenslauf.

Vermeiden Sie auf jeden Fall die häufig zu lesenden sprachlichen Allgemeinplätze wie »Ihr Stellenangebot interessiert mich« oder noch schlimmer »ich suche eine interessante Stelle, was können Sie mir bieten?«. Denn kein Entscheider sucht neue Versorgungsfälle sondern Menschen, die die Unternehmensziele mit erreichen wollen.

Stellen Sie sich vor Ihrer Bewerbung folgende Fragen:

  • Was spricht mich gerade an dieser Aufgabenstellung oder diesem Unternehmen an?
  • Erfülle ich die gesuchten Anforderungen?
  • Welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen, als Ergebnis aus Erfahrung & Erfolg, kann ich für diese Stelle einbringen?

Und stellen Sie gleich in der Überschrift, statt dem üblichen »Bewerbung als ...«, fest

  • welchen Nutzen kann ich damit dem Unternehmen bieten?

Ihr Ansprechpartner – der Entscheider

Vergessen Sie nicht, den konkreten Ansprechpartner oder die Ansprechpartnerin korrekt zu benennen. Dies muss nicht zwangsläufig der Leiter der Personalabteilung sein, häufig ist es auch der Entscheider der Fachabteilung. Anschreiben, die sich nur an »Sehr geehrte Damen und Herren« richten, erzeugen gleich zu Beginn einen uninformierten Eindruck.

Sie kennen den Entscheider nicht? Dann recherchieren Sie ihn doch! Häufig finden Sie entsprechende Angaben schon auf der Firmenhomepage, über Google oder bei  Xing mit seinen Fachgruppen und persönlichen Profilen. Aber auch Branchenseminare und deren Referenten oder Fachzeitschriften sind oft eine gute Quelle, die Entscheider Ihrer Wunschfirma zu identifizieren. Oder Sie rufen einfach einmal in der Telefonzentrale an.

Mit AIDA punkten

Versetzen Sie sich dann in die Situation des Entscheiders und stellen sich dann »seine« Frage: warum sollte ich gerade diese/n Bewerber/in einladen?

Bringen Sie dann Ihre Antworten auf das Stellenangebot aussagekräftig in zwei oder drei kurzen und prägnanten Absätzen unter. Halten Sie sich dabei an das AIDA-Konzept:

Anschreiben nach dem AIDA Konzept Personalmanagement Riemann
  • Aufmerksamkeit - beschreiben Sie schon in der »Überschrift« kurz Ihren Nutzen für genau diese gewünschte Aufgabe statt dem üblichen »Bewerbung als«.
  • Interesse - wecken Sie dann das Interesse des Entscheiders in dem Sie seine dargestellten »Probleme« aufgreifen und beschreiben Sie nicht Ihre Vergangenheit!
  • Drang - beweisen Sie dann Ihren Nutzen dafür mit 2 oder 3 Erfolgen, die Sie eben für diese oder eine ähnliche Aufgabe schon erzielt haben.
  • Aktion - ... und stellen Sie dar, wie Sie dies anpacken werden. Beschreiben Sie dies dann mit aktivem Satzbau.

Den Abschluß sollten Sie übrigens nicht mit einer Aufforderung zur Einladung oder einem Gespräch abschließen, das kann man für zu aufdringlich halten. Freuen Sie sich lieber auf eine Kontaktaufnahme und wünschen Sie dann noch eine erfolgreiche Woche.

Wenn Sie sich an dieses Schema halten, dann haben Sie die gewünschte und notwendige Aufmerksamkeit, um aus der Masse der Mitbewerber herauszustechen.

Verzichten Sie daher auf eine Darstellung Ihrer Vergangenheit, die steht im innovativen Lebenslauf. Und nehmen Sie besser aktiv die Begriffe der Anzeige oder Ihres Stellenwunsches auf. Dies sind häufig die geforderten Kompetenzbegriffe. Und wenn Sie sich aus einer festen Stelle heraus neu orientieren, dann sollten Sie im Anschreiben auch den Wechselgrund und Ihre Kündigungsfristen nicht vergessen.

Beantworten Sie alles

Beantworten Sie grundsätzlich alle in der Stellenanzeige gestellten Fragen, auch die nach dem Gehalt. Geben Sie die Jahressumme und nicht eine Monatsvergütung an, denn Sie wissen nicht, ob das neue Unternehmen 12, 13 oder 14 Zahltermine hat. Die Unterschiede ergeben sich auch aus der Unternehmensgröße, der Region und der Branche. Informieren Sie sich nicht nur im Internet, was üblich ist. Aus einer festen Anstellung heraus sollten Sie auch den Grund Ihres Wechsels und Ihre Kündigungsfrist nicht vergessen.

Insgesamt gliedert sich dann Ihr persönliches Anschreiben an das Unternehmen in vier oder fünf übersichtliche Absätze. Denn das Anschreiben sollte – auch bei Führungskräften – nicht mehr als eine Seite umfassen.