Die Gutachtertätigkeit für Hochschulen

Logo Bologna Prozess

Die Suche nach beschäftigungsfähigen Akademikern stellt für alle Unternehmen grundsätzlich eine Herausforderung dar, da sich die Studiendauer verkürzt und die Zielsetzung von »input« zu »outcome« stark verändert hat.

Die Reform der Studiengänge, mit seiner gestuften Bachelor- und Master-Ausbildung, dem sogenannte Bologna-Prozess, ist einer der bildungspolitischen Lösungsansätze mit Wirkung auf alle Unternehmensprozesse und den akademischen Fachkräftemangel.

Bereits 48 europäische Staaten (Stand 03/2018) arbeiten an ihrer Verpflichtung, eine gemeinsame Basis mit einem akademischen und auch berufsqualifizierenden Bachelor-, Master- und Promotions-System zu schaffen.

Die bisherige Teilnahme an Akkreditierungsverfahren:

Als Vertreter der Berufspraxis unterstütze ich seit 2005 bis heute diesen Veränderungsprozess durch die gutachterliche Mitarbeit bei der Akkreditierung wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge an nachstehenden Hochschulen in bisher 21 Verfahren:

  • RWTH Aachen
  • HTW Berlin
  • Ruhr-Universität Bochum
  • TU Chemnitz
  • EIPOS der TU Dresden
  • HTW Dresden
  • IUCE Freiburg im Breisgau
  • Hochschule Hannover
  • Hochschule Hof
  • Friedrich-Schiller-Uni. Jena
  • Hochschule Ludwigshafen
  • Johannes Gutenberg Uni. Mainz
  • Hochschule Mittweida
  • Greater Munich Area Hochschulen Augsburg München
  • GSO Hochschule Nürnberg
  • Universität Regensburg
  • Hochschule Rosenheim
  • Universität Siegen
  • AKAD Stuttgart

Zum Wintersemester 2017/2018 waren von den rund 19.000 Studiengängen 91,4 % auf das neue System umgestellt. Und im Prüfungsjahr 2016 machten fast 81 % aller Absolventinnen und Absolventen einen Bachelor- oder Master-Abschluss (Quelle   HRK, Statistische Daten zu Studienangeboten an Hochschulen in Deutschland, Wintersemester 2017/2018).

Die Vision und Strategie von Bologna

In ihrer Erklärung von Bologna haben sich 1999 die 30 Unterzeichnerstaaten verpflichtet einen gesamteuropäischen Hochschulraums und eine Steigerung seines Attraktivität zu schaffen. Heute arbeiten schon 48 europäische Staaten, die EU-Kommission und acht weitere Organisationen in Hochschulbereich an ihrer Selbstverpflichtung, eine gemeinsamen Basis dieses berufsqualifizierenden Bachelor-, Master- und Promotions-Systems zu schaffen.

Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR), ein Referenzrahmen der unterschiedlichen europäischen Bildungssysteme, soll dabei als Vergleichs- und Übersetzungshilfe dienen. Dabei stehen jetzt nicht mehr die Lerninhalte (input), sondern die Lernergebnisse (outcome) im Vordergrund.

Die Ziele von Bologna

Grafik Studienmöglichkeiten

Die Hauptziele sind neben einer Verkürzung der Studienzeiten eine stärkere Praxisorientierung, eine stärkere Vermittlung der für die Berufspraxis notwendigen Ausprägung der außerfachlichen Kompetenzen wie Kenntnisse zu Kommunikations-, Methoden- und Sozialkompetenz und eine erhöhte Mobilität.

Ein Aspekt für Berufspraktiker ist jetzt die Integration von weiterbildenden Studiengängen in das Studiensystem.

Die Grafik zeigt die unterschiedlichen Qualifikationsmöglichkeiten und Wege vom Bachelor über den Master bis zur Promotion im Rahmen des sogenannten Bologna-Prozesses. Der reguläre Studienweg führt vom Vollzeit-Bachelor, je nach Studienrichtung und Hochschule in 6 bis 8 Semester, direkt in die Berufspraxis.

Ein weiterführendes konsekutives (fachaufbauendes) oder nicht-konsekutives (neue Fachrichtung) Masterstudium, mit dann 4 bis 2 Semester, kann sich direkt anschließen. Eine neue Möglichkeit ist es aber auch, den Master berufsbegleitend zu absolvieren.

Eine Gesamtstudienzeit von insgesamt 10 Semestern soll dabei nicht überschritten werden. Mit allen Abschlüssen, auch nach dem Bachelor über eine besondere Prüfung, besteht dann die Möglichkeit zur Promotion.

Die Zielübersicht

  • Schaffung eines Systems leicht verständlicher und international vergleichbarer, gestufter Abschlüsse
  • Einführung eines zweistufiges System von Studienabschlüssen in Form von Bachelor- und Master-Abschlüssen
  • Einführung eines Leistungspunktesystem (ECTS) und eines Diploma Supplements zur Dokumentation der Leistung
  • Modularisierung des Stoffes
  • Förderung der arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen
  • Straffung der Studienzeiten (Bachelor in 6 bis 8 Semester und Master dann in 4 bis 2 Semester)
  • Stärkung der Qualitätssicherung der Ausbildung durch Akkreditierung der Studiengänge
  • Stärkere Mobilität von Studierenden und wissenschaftlichem Personal
  • Förderung eines lebenslangen Lernens (sogenannter Kopenhagen-Prozeß).

Dieses neue zweistufige System ersetzt das bisherige Diplom und auch die strikte Trennung zwischen Fachhochschulen und Universitäten wird aufgegeben.

Ausgenommen sind nur noch die Studiengänge, die mit einem Staatsexamen abschließen (Jura, Medizin). Hier haben die Beteiligten leider immer noch keine vernünftige Lösung gefunden.

Dieses neue Konzept soll insbesondere der Wirtschaft entgegenkommen, die sich die Absolventen früher und schneller einsetzbar wünscht.

Die Ergebnisse für die Studierenden

Die Bildungsziele, die die Studierenden in ihren jeweiligen Fachgebieten erreichen sollen, orientieren dabei im wesentlichen an den folgenden Punkten:

  • Erwerb einer ersten Berufsbefähigung und Erhöhung ihrer Beschäftigungsfähigkeit/Employability
  • Erwerb der wissenschaftlichen Befähigung
  • Befähigung zur bürgerschaftlichen Teilhabe
  • Entwicklung der Persönlichkeit
  • Früherer Einsatz im Wirtschaftsprozeß.

Den Studierenden wird dabei ein praxisorientiertes und wissenschaftliches Lernen ermöglicht, das eine arbeitsmarktrelevante Qualifizierung ermöglicht, wobei leider Praxis- oder Auslandssemester nicht in allen akkreditierten Studiengängen verpflichtende Elemente sind. Die reine Fachvermittlung soll durch Stärken der Schlüsselkompetenzen wie Projektmanagement, Methodenkompetenz, Kommunikationstraining und Medienwissen sowie Teamorientierung und Sprachkompetenz ergänzt werden. Dadurch wird die Flexibilität und Mobilität der Studierenden erhöht werden. Die erzielten Leistungen werden in einem »Diploma Supplement« und einem »Transcript of Records« in Englisch und Deutsch dokumentiert.

Die Qualitätssicherung

Eine kontinuierliche Qualitätssicherung dieser akademischen Berufsausbildung ist ein Ziel und daher fester Bestandteil des Bologna Prozesses.

Dabei wird ein geschlossenes Qualitätssicherungssystem an den Hochschulen häufig auch durch den Akkreditierungsprozess angestoßen. Im Rahmen einer sogenannten Programmakkreditierung werden die einzelnen Studiengänge durch eine externe Gutachtergruppe, bestehend aus in der Regel externen Professoren anderer Hochschulen, einem studentischen Vertreter und einem Vertreter der Berufspraxis grundsätzlich nach folgenden Kriterien begutachtet.

Die Akkreditierung selbst wird durch z.Z. zehn Agenturen organisiert, die wiederum von der  Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland ( Grafik) zertifiziert sind. Die Akkreditierung selbst spricht dann der Akkreditierungsrat aus.

Die Fragestellungen in der Akkreditierung

Grafik Akkreditierungssystem
  • Sind Leitidee und Ziele des Studiengangs stimmig und in das Hochschul- und Fakultätskonzept eingebunden?
  • Sind Aufbau und Inhalt des Curriculums schlüssig, an Lernergebnissen orientiert und mit den Abnehmern (Wirtschaft/Unternehmen) validiert?
  • Ist der Studiengang inhaltlich und zeitlich studierbar?
  • Gibt es eine Berufsfeldorientierung des Studienganges?
  • Sind die sachlichen und personellen Mittel angemessen
  • Sind dauerhafte qualitätssichernde Maßnahmen integriert?