Die Gutachtertätigkeit bei Akkreditierungen

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Die Suche nach beschäftigungsfähigen Akademikern stellt für alle Unternehmen grundsätzlich eine Herausforderung dar, da sich die Dauer verkürzt hat und Inhalte stark verändert haben.

In Bereich der akademischen Ausbildung ist die Reform der Studiengänge mit seiner gestuften Bachelor- und Master-Ausbildung, dem sogenannte Bologna-Prozess, einer der bildungspolitische Lösungsansatz mit Wirkung auf alle Unternehmensprozesse.

Als Vertreter der Berufspraxis unterstütze ich seit 2005 diesen Prozess durch die gutachterliche Mitarbeit bei der Akkreditierung der neuen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge.

Die bisherige Teilnahme an Akkreditierungsverfahren:

  • RWTH Aachen
  • HTW Berlin
  • Ruhr-Universität Bochum
  • TU Chemnitz
  • EIPOS der TU Dresden
  • HTW Dresden
  • IUCE Freiburg im Breisgau
  • Hochschule Hannover
  • Hochschule Hof
  • Friedrich-Schiller-Uni. Jena
  • Hochschule Ludwigshafen
  • Johannes Gutenberg Uni. Mainz
  • Hochschule Mittweida
  • Greater Munich Area Hochschulen Augsburg München
  • GSO Hochschule Nürnberg
  • Universität Regensburg
  • Universität Siegen

Die »Hausaufgaben« für Unternehmen

Durch die Reform der gymnasialen Oberstufe, dem Wegfall des Wehr-/Ersatzdienstes und der Studienreform stehen akademeische Karriere heute bis zu drei Jahre früher dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Für die Unternehmen bringt dieses BA-/MA-System zwar eine Erhöhung der  Beschäftigungsfähigkeit der zukünftigen Mitarbeiter mit - da diese durch die Studienreform eine stärkere Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterentwicklung und ein höheres unternehmerisches Denken und Handeln erwerben - ihnenden Absolventen fehlt aber bis zu drei Jahre in der Entwicklung ihrer Berufsreife.

Zum Wintersemester 2015/2016 waren von den rund 18.000 Studiengängen 91 % auf das neue System umgestellt. Und im Prüfungsjahr 2014 machten 76 % aller Absolventinnen und Absolventen einen Bachelor- oder Master-Abschluss (Quelle   HRK).

Daher sollten sich die Entscheider und Personalverantwortlichen u. a. mit den folgenden Fragen auseinander setzen:

  • Wie sprechen wir diese jüngere Zielgruppe jetzt an, da diese bis zu drei Jahre früher und mit weniger Praxis und sozialer Reife in den Arbeitsmarkt eintreten?
  • Können wir kürzere Praktika oder studienbegleitende Werkstudentenprogramme zur Personalgewinnung anbieten?
  • Welche bestehenden Aufgaben sind jetzt für Bachelor und welche für Master geeignet?
  • Wie müssen Aufgaben, Arbeitssprozesse und Einarbeitungspläne angepasst werden?
  • Müssen wir die Einstiegsvergütung anpassen?
  • Welche neuen Studiengänge sind für die Entwicklung des Unternehmen von Interesse?
  • Mit welchen Hochschulen können wir zusammenarbeiten und die neuen Studiengänge mitgestalten?
  • Wie können berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengänge in der Personalentwicklung genutzt werden um auch die Bachelors zu halten?

Gerne unterstütze ich Sie bei der Beantwortung dieser Fragen und Umsetzung der notwendigen Prozesse.

Die Vision und Strategie von Bologna

In ihrer Erklärung von Bologna haben sich 1999 die 30 Unterzeichnerstaaten verpflichtet einen gesamteuropäischen Hochschulraums und eine Steigerung seines Attraktivität zu schaffen. Heute arbeiten schon 47 europäische Staaten, die EU-Kommission und acht weitere Organisationen in Hochschulbereich an ihrer Selbstverpflichtung, eine gemeinsamen Basis dieses berufsqualifizierenden Bachelor-, Master- und Promotions-Systems zu schaffen.

Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR), ein Referenzrahmen der unterschiedlichen europäischen Bildungssysteme, soll dabei als Vergleichs- und Übersetzungshilfe dienen. Dabei stehen jetzt nicht mehr die Lerninhalte (input), sondern die Lernergebnisse (outcome) im Vordergrund ( Glossar).

Die Ziele von Bologna

Grafik Studienmöglichkeiten

Die Hauptziele sind neben einer Verkürzung der Studienzeiten eine stärkere Praxisorientierung, eine stärkere Vermittlung der für die Berufspraxis notwendigen Ausprägung der außerfachlichen Kompetenzen wie Kenntnisse zu Kommunikations-, Methoden- und Sozialkompetenz und eine erhöhte Mobilität.

Ein Aspekt für Berufspraktiker ist jetzt die Integration von weiterbildenden Studiengängen in das Studiensystem. Dies zeigt auch die Grafik der neuen Studienmöglichkeiten.

Die Zielübersicht

  • Schaffung eines Systems leicht verständlicher und international vergleichbarer, gestufter Abschlüsse
  • Einführung eines zweistufiges System von Studienabschlüssen in Form von Bachelor- und Master-Abschlüssen
  • Einführung eines Leistungspunktesystem (ECTS) und eines Diploma Supplements zur Dokumentation der Leistung
  • Modularisierung des Stoffes
  • Förderung der arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen
  • Straffung der Studienzeiten (Bachelor in 6 bis 8 Semester und Master dann in 4 bis 2 Semester)
  • Stärkung der Qualitätssicherung der Ausbildung durch Akkreditierung der Studiengänge
  • Stärkere Mobilität von Studierenden und wissenschaftlichem Personal
  • Förderung eines lebenslangen Lernens (sogenannter Kopenhagen-Prozeß).

Dieses neue zweistufige System ersetzt das bisherige Diplom und auch die strikte Trennung zwischen Fachhochschulen und Universitäten wird aufgegeben.

Ausgenommen sind nur noch die Studiengänge, die mit einem Staatsexamen abschließen (Jura, Medizin). Hier haben die Beteiligten leider immer noch keine vernünftige Lösung gefunden. Eine Erläuterung der wesentlichsten Begriffe finden Sie im  Glossar.

Dieses neue Konzept soll insbesondere der Wirtschaft entgegenkommen, die sich die Absolventen früher und schneller einsetzbar wünscht.

Die Ergebnisse für die Studierenden

Die Bildungsziele, die die Studierenden in ihren jeweiligen Fachgebieten erreichen sollen, orientieren dabei im wesentlichen an den folgenden Punkten:

  • Erwerb einer ersten Berufsbefähigung und Erhöhung ihrer Beschäftigungsfähigkeit/Employability
  • Erwerb der wissenschaftlichen Befähigung
  • Befähigung zur bürgerschaftlichen Teilhabe
  • Entwicklung der Persönlichkeit
  • Früherer Einsatz im Wirtschaftsprozeß.

Den Studierenden wird dabei ein praxisorientiertes und wissenschaftliches Lernen ermöglicht, das eine arbeitsmarktrelevante Qualifizierung ermöglicht, wobei leider Praxis- oder Auslandssemester nicht in allen akkreditierten Studiengängen verpflichtende Elemente sind. Die reine Fachvermittlung soll durch Stärken der Schlüsselkompetenzen wie Projektmanagement, Methodenkompetenz, Kommunikationstraining und Medienwissen sowie Teamorientierung und Sprachkompetenz ergänzt werden. Dadurch wird die Flexibilität und Mobilität der Studierenden erhöht werden. Die erzielten Leistungen werden in einem »Diploma Supplement« und einem »Transcript of Records« in Englisch und Deutsch dokumentiert ( Glossar).

Die Qualitätssicherung

Eine kontinuierliche Qualitätssicherung dieser akademischen Berufsausbildung ist ein Ziel und daher fester Bestandteil des Bologna Prozesses.

Dabei wird ein geschlossenes Qualitätssicherungssystem an den Hochschulen häufig auch durch den Akkreditierungsprozess angestoßen. Im Rahmen einer sogenannten Programmakkreditierung werden die einzelnen Studiengänge durch eine externe Gutachtergruppe, bestehend aus in der Regel externen Professoren anderer Hochschulen, einem studentischen Vertreter und einem Vertreter der Berufspraxis grundsätzlich nach folgenden Kriterien begutachtet.

Die Fragestellungen in der Akkreditierung

  • Sind Leitidee und Ziele des Studiengangs stimmig und in das Hochschul- und Fakultätskonzept eingebunden?
  • Sind Aufbau und Inhalt des Curriculums schlüssig, an Lernergebnissen orientiert und mit den Abnehmern validiert?
  • Ist der Studiengang inhaltlich und zeitlich studierbar?
  • Gibt es eine Berufsfeldorientierung des Studienganges?
  • Sind die sachlichen und personellen Mittel angemessen
  • Sind dauerhafte qualitätssichernde Maßnahmen integriert?

Zur Akkreditierung selbst sind derzeit zehn Agenturen berechtigt, die wiederum von der  Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland zertifiziert sind.

Weitere Informationen finden Sie in einem kleinen  Glossar, den Fachbegriffen der Studienreform.