Der innovative oder erneuerte Lebenslauf

Zeitschriftenartikel

Zuerst eine Frage. Warum finden Sie einen Zeitungsartikel interessant? Sie erfassen die Überschrift (1) und lesen dann die Kurzzusammenfassung (2). Und nur wenn beides Ihre Neugier weckt, dann lesen Sie weiter (3).

Warum beginnt dann Ihr Lebenslauf mit den relativ uninteressanten »persönlichen Daten« statt mit Ihrer Kompetenz für die Stelle?

Sie kennen wahrscheinlich nur die klassische Form des Lebenslaufs: einen blockweisen Aufbau mit fester Reihenfolge von persönlichen Daten, Schule, Wehrdienst, Studium, Beruf und Fortbildungen bis zu den Hobbies. Das hat aber mit Darstellung Ihrer Kompetenz - die die Neugier wecken soll - und dem Ablauf Ihres Lebens eigentlich nichts zu tun.

Hier bietet der von mir entwickelte »innovative oder erneuerte Lebenslauf« einen zielorientierten Ansatz. Denn in der Vorauswahl ist für die Personal- oder Linienverantwortlichen der Lebenslauf das wichtigste Dokument.

Soll er doch auf den »ersten Blick« zeigen, ob Sie auf das Anforderungsprofil passen. Er muss daher prägnant und komprimiert auf den ersten Blick Ihre Kompetenz genau für die Stelle und dann Ihre beruflichen Stationen aufzeigen - und daher gehört eine Zusammenfassung Ihres Nutzens ganz oben hin. So wird schnell Ihr Wert und Ihre Entwicklung nachvollziehbar und »vergleichbar zum Stellenangebot«. Ihre persönlichen Angaben, die ja schon teilweise im Anschreiben stehen, kommen damit an das Ende.

Bei mehreren dutzend Bewerbungen auf ein Stellenangebot bleibt aber zum Sichten der Unterlagen nur wenig Zeit. Eine erste schnelle Durchsicht in weniger als eine Minute ist kein Gerücht, sondern ein Wert aus der Praxis (so auch eine Befragung von  Careerbuilder aus 02/2011). Zeigen Sie daher dem Entscheider schon im Aufbau und der Kürze der Unterlagen Ihren Nutzen, den er sucht oder brauchen kann!

Der Grundaufbau

So lesen wir!

Schon die Überschrift ist Ihr Name, das Wort Lebenslauf können Sie sich schenken, das sieht man ja. Und das Wichtigste, auf welches Stellenangebot Sie sich bewerben und genau Ihre Kompetenz dafür, gehört ganz oben hin. Warum? Wir lesen, ob langsam oder im Schnelldurchgang, von links oben nach rechts unten - und Ihnen bleiben ja nur 30 Sekunden um die Neugier auf Sie zu wecken. Der dann innovative oder erneuerte Lebenslauf wird strikt invers chronologisch (also die letzte bzw. jüngste Tätigkeit zuerst) und nach Möglichkeit auf einer Seite knapp erstellt. Also eben nicht in »Blöcken« wie Berufstätigkeit, Ausbildung und Schule und ohne überausführliche Beschreibungen.

Natürlich muss er ab dem Zeitraum des Schulabschlusses absolut lückenlos dargestellt werden. Die sechs monatige Weltreise in jungen Jahren, die Ihre Interkulturalität zeigt, die längere Fortbildung aber auch Ihre Suche nach einer neuen Beschäftigung gehören daher in den Lebenslauf – sonst stellen Sie sich schon in der ersten Durchsicht ins Aus.

Er zeigt jetzt so unmittelbar und übersichtlicht, welche Funktionen, Verantwortungen und Weiterbildungen oder auch Nebentätigkeiten Sie im Laufe Ihrer zeitlichen Entwicklung übernommen oder absolviert haben, ergänzt um den jeweils wichtigsten Erfolg, Verantwortungsbereich und Unternehmen. Korrekte Zeitangaben in Monaten und Jahren und die Tätigkeitsbezeichnungen sind hier die wichtigsten Punkte. Und soweit möglich, sollten Sie bei Ihren Funktionsbeschreibungen die Begriffe des Stellenangebotes aufgreifen.

Damit unterscheidet sich der »innovative oder erneuerte Lebenslauf« durch seine Zielorientierung, Prägnanz und Kürze von den üblichen, oft seitenlangen und damit unleserlichen »Bleiwüsten«.

Die Gliederung

Vor der Chronologie stellen Sie als Überschrift Ihren Namen, die Angabe der Funktion oder Stelle auf die Sie sich bewerben und insbesondere welche Kompetenz Sie genau hierfür aufweisen. So zeigen Sie gleich die Übereinstimmung zum Stellenangebot oder Ihrem Nutzen für das Unternehmen (  siehe Beispiele).

In der Regel rechts oben und neben Ihrem Namen, »Ihr Angebot« und »Meine Kompetenz dafür« plazieren Sie Ihr Bewerbungsfoto.

Die amerikanische Form, mit der letzten Verantwortung an oberster Stelle, hat sich heute durchgesetzt, denn dieses letzte Wissen ist für das Unternehmen das interessanteste. Neben dem Zeitraum mit Monat und Jahr schreiben Sie Ihre Funktions- oder Stellenbezeichnung, darunter ergänzt zum Beispiel um die Zahl der unterstellten Mitarbeiter oder der Steigerung des Umsatzes (Ihren Erfolg) und dann erst das Unternehmen.

Praktika, Jobs oder längere Fortbildungen über einen Monat Dauer sind Unterpunkte des Zeitraumes der Haupttätigkeit. Dies gilt auch für Zeiträume während des Studiums. Warum? Sie sollten immer klar zeigen, was Ihr Hauptziel war.

Ausführliche Beschreibungen der einzelnen Tätigkeiten verbieten sich aber aus Platz- und Lesegründen von selbst. Die Inhalte der Tätigkeiten und die weiteren Erfolge, die dann noch stärker Ihren Nutzen zeigen, gehören in das individuelle Kompetenzprofil.

Wenn Sie Ihren Lebenslauf so aufbauen, kann der fachkundige Leser gleich erkennen, ob Sie die wesentlichsten Anforderungen der Funktion erfüllen sind und ob Ihr Leben »lückenfrei« verlaufen ist.

Die Struktur des innovativen Lebenslauf

kleine Grafik Schema innovativer, erneuerte Lebenslauf
  • Name als Überschrift, denn dass dies ein Lebenslauf ist, sieht man ja
  • angestrebte Funktion aus dem Stellenangebot oder Ihr Nutzen bei einer Initiativbewerbung
  • Ihre Kompetenz dafür: höchste berufliche Qualifikation mit Abschluss sowie die Praxisjahre für diese Position oder Aufgabe
  • ein professionelles Bewerbungsfoto – warum nicht in schwarz-weiß? – in (alter) Passbildgröße; es wird rechts oben platziert
  • Zeitraum mit letzter Verantwortung, darunter z. B. das Unternehmen, der Umsatz, unterstellte Mitarbeiter, etc.
  • Zeitraum mit vorletzter Verantwortung; die längere Fortbildung in dieser Zeit ist ein Unterpunkt
  • (...)
  • Wehr-, Ersatzdienst, soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst
  • Zeitraum Studium oder Berufsausbildung und erreichter Abschluss; auch hier sind Praktika oder Jobs Unterpunkte
  • persönliche Angaben mit Geburtsdatum, Familienstand, Erreichbarkeit; diese stellen Sie einfach an den Schluß
  • alles andere, auch Ihr Fremdsprachenvermögen, gehört in das individuelle Kompetenzprofil
  • und denken Sie an die richtige Form Ihres Lebenslaufes.

Nur wenn Sie so Ihren Nutzen – und das auf einer Seite, allenfalls auf zwei (!), auch als Führungskraft, – für das Unternehmen aufzeigen können, schaffen Sie den Sprung über die Hürde der Vorauswahl. Der Lebenslauf ist daher immer individuell anzupassen und ist kein Seriendokument aus Ihrem Datenspeicher!

Auf der extra Seite sehen Sie das  Schema und zwei Beispiele zum innovativen, erneuerten Lebenslaufs.

Das Bewerbungsfoto

Ein gutes Bewerbungsbild gehört im deutschsprachigen Raum immer noch zu einer vollständigen Bewerbung. Auch wenn sich dies in Zeiten des AGG zu ändern beginnt. Und es gehört dann auf den Lebenslauf und nicht auf ein extra Deckblatt, denn dieses bietet nur Leerinformationen.

Ein gutes Bild zeigt heute nur Ihren Kopf und vielleicht noch etwas Schulter. Moderne und gute Fotografen schneiden das Bild gerne auch etwas an. Ob in schwarz-weiß oder in Farbe ist Geschmacksache, Frauen in der Auswahl bevorzugen mehr s/w, die Männer eher farbige Portraits. Einen interessanten Blogbeitrag zum Thema der passender Hintergrund finden Sie auf  Starmazin - 5 Bewerbungsfoto Hintergründe im Wirkungsvergleich.

Eine gute Bildgröße ist immer noch das alte Passfotoformat: 4,8 cm x 6 cm, das sind rund 180 px zu 227 px wenn Sie elektronisch die Bildgröße in Pixel messen.

Und der Dresscode? Eine Faustregel sagt: immer eine Stufe besser, als Sie üblicherweise am Arbeitsplatz tragen werden. Häufig bieten die Mitarbeiterfotos im Internetauftritt des Unternehmens einen guten Anhalt.

Achten Sie auch auf Ihre Ausstrahlung. Sie sollten weder zu fröhlich noch zu ernst wirken. Und als Frau sollten Sie lieber nicht zu attraktiv aussehen, wie eine  Studie zeigt. Da die innerbetriebliche Personal(vor)auswahl zu 85 % von Frauen vorgenommen wird, könnten Sie sonst leicht einem Neidkomplex zum Opfer fallen.

Verzichten Sie auf das Ausschneiden und Umarbeiten von Urlaubs- oder Privatfotos um diese dann in die Bewerbung einzufügen. Jede/r andere sieht dies sofort. Verzichten Sie daher auch auf Ganzkörperbilder mit extravaganter Körperhaltung, Modefotos oder Bilder aus dem Urlaub. Investieren Sie die rund 50 bis 85 € lieber in einen guten Fotografen, bei dem Sie sich vorher Referenzbilder zeigen lassen können.

Und auf der Rechnung sollte stehen, daß Ihnen der Fotograf die Nutzungsrechte, auch für die elektronischen Medien und die erwerbswirtschaftliche Nutzung, überträgt, denn das Urheber- und Verwertungsrecht liegt sonst bei ihm oder ihr!